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IGS Wolfenbüttel: “Der Landkreis hat die Bürger getäuscht”

Von Marc Angerstein | August 16, 2010

Kaum ist die erste Integrierte Gesamtschule (IGS) ist Wolfenbüttel eingerichtet worden, schon gibt es die Forderung nach einer weiteren, da 179 Anmeldungen nicht berücksichtigt wurden. Grund für die FDP-Fraktion im Rat der Stadt Wolfenbüttel, sich erneut zu diesem Thema zu Wort zu melden.

Wir erinnern uns: Die Einrichtung der IGS wurde vor allem damit begründet, dass schwäche Schüler dort besser gefördert werden könnten als in den Haupt- und Realschulen.

marc-angerstein-gelb.JPGNun muss die überraschte Wolfenbütteler Öffentlichkeit feststellen, dass nur 11% der angenommenen Schüler schwächere Leistungen in Deutsch, Mathematik und Sozialkunde aufweisen.  Der Grund hierfür liegt im den manipulierten Aufnahmeverfahren der Wolfenbütteler Gesamtschule.  Während andere Gesamtschulen die Schüler in drei gleich große Gruppen einteilen oder sich an den Empfehlungen der Grundschulen orientieren, hat sich die Wolfenbütteler Schulleitung mit Duldung des Landkreises für ein Verfahren entschieden, dass sich an den realen Übergangszahlen der Schüler von den Grundschulen zu den weiterführenden Schulen orientiert. Etwa 40% der Grundschüler erhielten im vergangenen Jahr eine Empfehlung für den Besuch des Gymnasiums, knapp 52% wechselten aber – entscheidend ist der Elternwille – auf diese Schulform. In der Praxis heißt das, dass jeder Haupt- oder Realschulempfohlene Schüler, der ein Gymnasium besucht, zu mehr gymnasial empfohlenen Schülern an der IGS führt.

Die FDP hat Verständnis für die Eltern, die ihre Haupt- oder Realschulempfohlenen Kinder wegen der angeblich besseren Förderung an der IGS anmelden wollten und dann abgewiesen wurden. Sie verurteilt die bewusste Irreführung der Erziehungsberechtigten durch die Verantwortlichen der Schule und des Landkreises. Der Grund für die Abweisung dieser Schüler könnte in dem Willen der IGS liegen, genügend Schüler für die Sekundarstufe II zusammenzubekommen, für die es an den drei Wolfenbütteler Gymnasien ein breiteres Unterrichtsangebot gibt als die IGS es jemals zur Verfügung stellen kann.

wallstrasse.jpegIn diesem Zusammenhang stellt sich auch die Frage, inwieweit die IGS die Erwartungen der Eltern erfüllen kann, die aufgrund einer Gymnasialempfehlung ihre Kinder dort angemeldet habe, die aber jetzt feststellen müssen, dass an der Wolfenbütteler IGS kaum Gymnasiallehrer unterrichten.

Auch in einem anderen Punkt hat der Landkreis die Wolfenbütteler Bürger bewusst getäuscht: Die Kosten für die IGS wurden mit sechs bis sieben Millionen Euro angegeben, inzwischen geht auch der Landrat von etwa 20 Millionen € Gesamtkosten aus.

„Aus diesen nun nachvollziehbaren, realpolitischen Gründen, hat die FDP-Fraktion den gesamten Prozess der IGS kritisch begleitet. Und wie in anderen kommunalpolitischen Themen auch im Nachgang wieder einmal Recht behalten“, resümiert die Fraktion.

Kategorien: Allgemein, Ortsrat Fümmelse, Stadtrat Wolfenbüttel | Kein Kommentar »

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